Alp Mittelberg

Allzuviel ist ungesund

Es war  ein guter Sommer , auch für die Gesundheit der Tiere, damit aber nicht für unseren Tierarzt. Beinahe wären wir ganz ohne ihn ausgekommen, wenn nicht die alte Ziege über die Schnur gehauen hätte. Mein Mann Alfred wuchs in einer Arbeiterfamilie auf und wurde mit Ziegenmilch und Ziegenfleisch gross.  Als mein Schwiegervater Charly aus Altersgründen nicht mehr selber zu seinen Tieren schauen konnte, war es selbstverständlich, dass wir diese verwöhnten Saanenziegen übernahmen. Seit der Betriebsübergabe an unseren Sohn gehören noch zwei Melkziegen, manchmal mit einem Jungen, zu Alfreds Viehbesitz. Und so kommt es, dass wir nebst Rindvieh, Schweinen und Katzen auf dem Mittelberg auch noch Ziegen sömmern. Das bringt viel Freude und mit dem Ziegenkäse auch Genuss. Aber Ziegen haben es so an sich, dass sie hie und da auch für gehörigen Ärger sorgen. Diese Tiere sind Extrem neugierig und scheuen sich nicht, auch in menschliche Wohnräume vorzudringen, wenn ihnen das niemand verwehrt. Blumenschmuck auf der Laube finden sie extrem gut und da versteht es sich von selbst, dass wir mit elektrischem Zaun nachhelfen, um nicht täglich irgendwo ihre unliebsame Hinterlassenschaft in Form von schwarzen Kugeln, putzen müssen. Damit ist aber  allen Tieren verwehrt,  bei Regenwetter unter dem Dach Schutz zu suchen. Nach einer Gewitternacht fanden wir im Holzschopf diese drei Mimöschen stehen. Ohne wieder auf die Weide zu begehren, kamen sie freiwillig in den Stall. Beim Melken der Ziegenhirt fest, dass es der ältesten von ihnen gar nicht gut ging. Ihre Haare standen auf, sie verweigerte das „Gläck“ und gab fast keine Milch. Bald einmal erahnten wir, was die Ursache sein könnte: Im Holzschopf stand noch ein Sack Getreidegemisch und an diesem taten sich die wunderfitzigen Viecher gütlich. Und so kam es, dass Regula vor unserer privaten 1.Augustfeier alles unternahm um dem überfütterten Tier etwas Linderung zu verschaffen. Basetabletten aus der Hausapotheke und Homöopathische Kügelchen sollten es richten, aber so schnell schluckt  Ziege nicht, was sie nicht kennt. Am nächsten Tag kamen wir nicht darum herum, in der Tierarztpraxis um Rat zu fragen. Dort wurden wir aufgeklärt, dass eine solch einseitige Überfütterung zum Tod führen kann. Die  Behandlung mit einer Infusion durch die Fachperson war unumgänglich und rette dem törichten Tier das Leben.

 

Vreni Müllener
18. Oktober 2016 - 21:24
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