Alp Schwandi/Laub

Freud und Leid

Auf der Alp gibt es nicht nur schöne Momente. Auch hier wechseln sich die schönen Erlebnisse- der Sonnenaufgang durch das Käsereifenster beim Auspacken des gelungenen Käses vom Vortag, unsere Rinder, wie sie ausgelassen und wild über die Weide springen, besonders viel Milch im Käsekessi, eine Handvoll Steinpilze aus dem Wald- und die unerfreulicheren Ereignisse- eine ausgebückste Kuh auf der falschen Seite des Zaunes, tagelang dichter Nebeln der mich nicht weiter sehen lässt als zwei Meter und ich jedem Rind nach dem Klang seiner Glocke nachlaufen muss, die übergekochte Milch auf dem Herd- ab. Oder, wie man so schön sagt, auch auf der Alp liegen Freud und Leid nah beieinander.

Besonders unerfreulich war es für uns, als David letzten Donnerstag von einer Kuh beim einstallen an der Hand verletzt wurde und die Hand immer dicker und schmerzhafter wurde. Tapfer melkte David noch alle Kühe, brachte die Milch in die Käserei herüber und fuhr dann ins Krankenhaus. Dort stellte sich dann heraus, dass die Hand gebrochen ist. Mit einem eingeschienten Arm wollte er dann wieder auf den Pilatus. Aber weil eine gebrochene Hand noch nicht genug Unglück für einen Tag war, gab auch noch unser Auto auf dem Weg den Berg hinauf den Geist auf und musste in die Werkstatt abgeschleppt werden. Mit gebrochener Hand und ohne Auto kehrte David dann zur Alp zurück. Was also machen, wenn die Arbeit auf der Alp die gleich bleibt, aber eine von zwei Personen ausfällt? Vorallem wenn der Alpsommer schon fast 4 Monate dauert und die Kräfte langsam schwinden, die Erschöpfung größer und der Wunsch endlich nur einmal ausschlafen zu können mit jedem Tag wächst?
 Zum Glück hatten wir gerade Besuch von Davids Bruder und einer Freundin die uns tatkräftig unterstützen bis eine Vertretung für David gefunden wurde. Seit Dienstag hilft uns nun Nancy mit dem melken aus, sodass wir die restliche Alpzeit noch gut zu Ende bringen können.

 

Ja, so eine gebrochene Hand und ein kaputtes Gaspedal kann einem schon mal die Laune verderben. Aber natürlich sind nicht nur unerfreuliche Dinge passiert, sondern auch viel Schönes.

Einen Tag nach Davids Unfall hat Angie ein gesundes Bullen-Kalb zur Welt gebracht. Am Samstag sind wir nach Schwandi gezügelt, ohne Auto musste Hans drei Mal mit den Schilter hin und her fahren um alle Sachen von Laub nach Schwandi zu bringen. Und wo es oben auf Laub schon langsam Herbst, die Wiesen gelb und die Nächte sehr kalt sind, ist es unten auf Schwandi noch schönster Spätsommer. Der erste Käse, den wir für diesen Sommer angeschnitten haben ist sehr gut geworden. Und der Käsespeicher füllt sich immer mehr mit goldgelbem, köstlich duftendem Käse.
 

 

Lea Kluge
16. September 2018 - 12:49
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